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Dagmar Chidolue - Presseartikel


Esslinger Zeitung 18.11.2005

Trinken Hunde eigentlich Cola?

ESSLINGEN: Kinderbuchautorin Dagmar Chidolue liest in der Grundschule St. Bernhardt aus Millie in Berlin

Von Petra Pauli

Gerade noch pünktlich schaffte es Dagmar Chidolue zur Lesung in die Grundschule St. Bernhardt. Erst hatte ihr Zug Verspätung, dann gab's an diesem Vormittag auch noch Stau auf den Straßen. Wer Millie kennt, Chidolues wohl bekannteste Romanfigur, kann sich gut vorstellen, dass auch ihr so etwas schon passiert ist. Schließlich ist das Mädchen für jedes neue Buch viel unterwegs, sie war schon in Paris, New York, London oder auf Kreta.
Jüngst schickte die bekannte Kinder- und Jugendbuchautorin Millie auf eine Reise in die Bundeshauptstadt. Was der Erstklässlerin dort zusammen mit ihren Eltern und der zweijährigen Schwester alles so passiert, davon bekommen die Drittklässler einen kleinen Einblick, als Chidolue ihre silberne Brille aufsetzt und im Rahmen des Literaturfestivals LesART aus dem Buch Millie in Berlin vorliest. Wie meistens in den Millie-Büchern sind es nicht unbedingt große Abenteuer, die das Mädchen erlebt. Es sind eher kleine Alltagskatastophen und Verwicklungen, die Chidolue erzählt. So verletzt sich Millie die Hand und stürzt um eine Haar in einen Hundehaufen, als sie versucht an einen Ast heranzukommen. Abgesehen hat sie es auf die Nasenkleber eines Ahorns.
Vom kleinen Unterschied
Weil die Finger schmerzten und bluteten, bekommt Millie erst einen Verband aus Taschentüchern und wird dann ins berühmte Krankenhaus Charite oder Schnatterie, wie sich Millie ausdrückt, gebracht. Die 61-jährige Autorin, die zwei erwachsene Töchter hat und bald Großmutter wird, kann sich perfekt in die Sprach- und Gedankenwelt von Kindern versetzen. Sie weiß genau, wie man sie bei der Stange hält und zum Lachen bringt. So sitzt Millie etwa einmal im Bus und sinniert darüber, ob Hunde wohl Mineralwasser oder lieber Cola mögen und ob auch sie ein Bäuerchen machen. Prompt reagieren die Drittklässler, kichern und antworten wild durcheinander, auch ohne direkt gefragt worden zu sein. Erst recht für Erheiterung sorgt die Szene im Wartezimmer der Schnatterie, wo ein Heulsusenjunge ein Bild für Millie malt: eine Frau mit Busen und mit Pimmel. Millie ist schockiert (Glaubt denn der Junge, dass alle da unten so ein Ding haben?), das Publikum ist außer sich. Übrigens kann Millie den Jungen aufklären, und auch für die Zuhörer und kleinen Leser ist das Buch lehrreich, vor allem erfahren sie viel über Berlin und seine Sehenswürdigkeiten. Vieles, was in diesem wie in den anderen Millie-Büchern beschrieben wird, dürfte Kindern aber auch bereits bekannt vorkommen und gerade dadurch seinen Reiz haben: wenn etwa die kleine Schwester nervt, man mit ihr das begehrte Eis teilen soll oder Eltern mal wieder überhaupt nichts verstehen wollen.
Viele Geschichten im Kopf
Für Millies Reisegeschichten begibt auch die Autorin sich in fremde Städte und Länder und so könne es vorkommen, dass die Vorbereitung für ein Buch bis zu zwei Jahre dauere, erzählt Chidolue. Manchmal sei es anstrengend, eine Schriftstellerin zu sein, berichtet sie, weil man so viele Geschichten im Kopf hat. Ob sie dann wenigstens Freunde habe, die ihr helfen beim Schreiben, will da ein Junge besorgt wissen. Mein bester Freund ist da allein der Computer, sagt sie schmunzelnd.

 

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