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Dagmar Chidolue - Presseartikel


Frankfurter Rundschau 06.07.2015


Lust am Lesen wecken

Von FRANK SOMMER

Neue Phase des bundesweiten Lesestart-Programms. Das ehrgeizige Ziel der Stiftung lesen: Über 50 Prozent aller Familien mit Kindern unter drei Jahren sollen zum gemeinsamen (Vor)lesen animiert werden.

Kinderbuchautorin Dagmar Chidolue verteilte zur neuen Phase der Lesestart-Aktion Bücher an Kita-Kinder.  Foto: Monika Müller

Känguru-Besuch in Offenbachs Kinderbücherei: Das Maskottchen des frühkindlichen Leseförderprogramms "Lesestart - Drei Meilensteine für das Lesen" war am Montag zu Gast im Ableger der Stadtbibliothek. An Kinder der Kitas Kindertraum und Zwergenland wurden Bilderbücher verteilt, anschließend lud die Stiftung Lesen zu Workshops für Bibliotheksfachkräfte.

Das ehrgeizige Ziel der Stiftung lesen: Über 50 Prozent aller Familien mit Kindern unter drei Jahren sollen zum gemeinsamen (Vor)lesen animiert werden. "In Offenbach startet eine neue Phase des Programms", sagt Sabine Bonewitz, Leiterin des Programmfachbereichs Familie bei der Stiftung Lesen, "die Bibliotheken sollen mit Kitas oder Müttercafés Kontakt aufnehmen und Netzwerke zur Leseförderung bilden."

In Offenbach gelinge das sehr gut, zweimal im Monat gibt es Vorleseaktionen in der Bücherei. "Idealerweise gehen Eltern mit ihren Kindern in die Bücherei, aber wir wollen gerade die bildungsfernen Familien ansprechen", sagt Bonewitz. Wie das gelingen kann, wird in Workshops erarbeitet. Das Interesse der hessischen Bibliotheken sei groß, sagt Alexander Budjan von der Hessischen Fachstelle für Bibliotheken. Besonders Tipps, wie man Migrantenfamilien zum Bibliotheksbesuch und der Leseförderung gewinnen könne, seien gefragt.

Wichtig dafür sei aber eine ausreichende Versorgung mit öffentlichen Büchereien. Der Kreis Offenbach sei, was die Bibliotheksversorgung anbelange, der Vorzeigekreis Hessens, sagt Budjan. "Somit können auch fast alle Kommunen des Kreises am Lesestart-Programm teilnehmen", sagt er. In anderen Regionen, etwa dem Werra-Meißner- oder dem Odenwaldkreis, sei die Bibliotheksversorgung weitaus problematischer.

"Dadurch finden wir nur schwer Kooperationspartner für das Programm", sagt Budjan. Eine Lesebusversorgung, wie sie in Schleswig-Holstein erfolgreich praktiziert würde, habe sich in Hessen nicht durchsetzen können.

Von dieser Versorgungsproblematik bekommen die rund 25 Kinder beim Veranstaltungsauftakt nichts mit: Sie rufen Autorin Dagmar Chidolue laut zu, welche Tiere sie in dem Buch "Bitte anstellen" sehen oder wollen von dem plüschigen Känguru-Maskottchen hochgehoben werden. In gelben Taschen liegt für sie je ein Exemplar des Buches bereit.

"Unsere Hoffnung ist, dass die Eltern das Buch mit ihren Kindern gemeinsam betrachten und sich dann weiteren Lesestoff besorgen", sagt Bonewitz. "Die Stadt Offenbach ist vorbildlich und bietet gemeinsam mit freien Trägern ein gutes Programm an, außerdem werden regelmäßig neue Medien für die Bücherei besorgt", sagt Budjan. Die Offenbacher Erfahrungen fließen mit ein in eine wissenschaftliche Auswertung des Leseprogramms.


Lesestart-Programm
Das bundesweite Förderprogramm läuft seit November 2011 und endet im Oktober 2018. Finanziert wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 24,5 Millionen Euro. 4,5 Millionen Lesestart-Sets sollen so an Kinder aus bildungsfernen Familien verteilt werden.

In der ersten Phase 2011 bis 2013 haben rund 90 Prozent der niedergelassenen Kinderärzte Lesestart-Sets verteilt, in der zweiten Phase bis Ende 2015 verteilen Bibliotheken die Sets und rufen zu Aktionen auf. In Hessen beteiligen sich 380 Büchereien. Ab 2016 erhalten in der dritten Phase alle Grundschüler Lesesets.

 


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