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Dagmar Chidolue - Presseartikel


Frankfurter Rundschau 21.06.2003


Dichterische Freiheit und kleine Literatentricks

Autorin Dagmar Chidolue bringt Jugendlichen das Schreiben nahe / "Verbindliche Regeln gibt es nicht"

Wer gern mit Wörtern spielt und gut beobachtet, der kann auch Gedichte oder Bücher schreiben. Das ist das Credo der Autorin Dagmar Chidolue. Im Kreishaus leitete sie gestern einen Workshop für den literarischen Nachwuchs.

Von Dirk Rüsing

HOFHEIM. Seit einigen Monaten arbeitet Jaqueline Sophie Koenig an ihrem ersten eigenen Buch. Sie hat nicht überlegt wie sie vorgehen will, sondern sich einfach hingesetzt und angefangen. "Ich schreibe von den Erfahrungen aus meinem Leben", sagt sie. Als Handwerkszeug für ihr erstes literarisches Werk benutzt die Zwölfjährige ihren Wortschatz und ihre Auffassungsgabe. Und das ist auch in Ordnung so. Sagt Dagmar Chidolue. Die Autorin zahlreicher Kinder- und Jugendbücher glaubt an die dichterische Freiheit: "Verbindliche Regeln für Dichter und Literaten gibt es nicht, jeder muss sich selbst ausprobieren." Wichtig seien für Autoren die Lust am Spiel mit Worten und eine gute Beobachtungsgabe. Diese Fähigkeiten versuchte die 59-jährige Chidolue gestern bei rund zehn ausgewählten Schülern und Schülerinnen aus dem Main-Taunus bei einem Schreib-Workshop im Kreishaus zu wecken.

Teilnehmerin war auch Jaqueline Sophie Koenig aus Hattersheim, die sich wunderte, welche Wortreihen sie allein mit den Buchstaben ihres Namens bilden kann. Zum Beispiel: "Schlange am Nil." Bei der Übung mit Anagrammen sollten die Schüler lernen, dass die selben Buchstaben nur anders angeordnet werden müssen, um eine völlig neue Bedeutung zu bekommen. "Das ist ein kleiner Trick, der Autoren bei der Wortfindung hilft, wenn sie beim Schreiben ins Stocken geraten", sagte Chidolue.

Eine andere Übung funktionierte ähnlich. "Ich habe den Schülern bekannte Gedichte vorgelegt, dabei aber die Sätze auseinander geschnitten", erzählte Chidolue. Aus den einzelnen Wörtern oder Satzteilen sollen die Jugendlichen dann ihre eigenen Texte schreiben. Den Originaltext dürfen sie erst später lesen.

"Die Schüler sollen anhand der ihnen vorliegenden Begriffe die Stimmung des Ursprungstextes erfassen", erklärte die Dozentin. "Dabei werden sie erleben, dass die Satzfragmente bei ihnen ganz unterschiedliche Eindrücke erzeugen."
Eine Erfahrung, die der 15-jährige Sina Brückner aus Okriftel bekannt sein dürfte. Sie lässt sich von Musik und Malerei zu ihren Texten inspirieren. "Meistens schreibe ich dann aber nur lustige Sachen." Zur Übung mal über ernste Themen schreiben, würde ihr Dagmar Chidolue nicht raten: "Jeder muss schreiben, wie er kann." Wenn Sina einen Drang zur Ernsthaftigkeit bekomme, dann werde sie auch schon von alleine anders schreiben. "Erzwingen kann man das nicht", sagte die Jugendbuchautorin.

 

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Copyright des Textes © Frankfurter Rundschau 2002
Dokument erstellt am 21.06.2003 um 00:10:02 Uhr
Erscheinungsdatum 21.06.2003 | Ausgabe: R5 | Seite: 40