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Dagmar Chidolue - Presseartikel


www.kreis-anzeiger.de 04.10.2010


Auf einer Wellenlänge mit den Kindern

04.10.2010 - BÜDINGEN

Dagmar Chidolue, Autorin der bekannten Millie-Reihe, kommt bei Grundschülern prima an

Dagmar Chidolue kam bei den Grundschülern prima an. Foto: Potengowski (ten). „Ich bin fast nur noch unterwegs“, antwortet Dagmar Chidolue auf die Frage eines Schülers, ob sie schon oft verreist ist. „Manchmal lebe ich nur noch aus dem Koffer.“ Im Anschluss an die Lesung aus ihrem Buch „Millie in London“ in der Turnhalle der Büdinger Stadtschule im Zuge der Veranstaltungsreieh „Leseland Hessen“ wird sie von den Kindern geradezu mit Fragen gelöchert, die sie geduldig beantwortet.

Offenbar trifft sie dabei, wie in ihren Büchern, genau den richtigen Ton, weshalb die Schüler bei der Lesung eher mit wachsender denn nachlassender Konzentration zuhören. Da soll noch einmal einer sagen, dass Bücher Kinder im Zeitalter der elektronischen Medien nicht mehr interessieren. Es müssen eben nur die richtigen sein.

Dagmar Chidolue arbeitet an ihren Büchern mit sehr großer Sorgfalt. Deshalb ist die Millie-Reihe, die die Reiseerlebnisse eines Schulmädchens beschreibt, auch keine der lieblos hingeschluderten Serien, mit denen manche Autoren nach der Entdeckung eines Erfolgsrezepts versuchen, Kasse zu machen. „Mehr als eine große Reise kann sie in einem Schuljahr nicht machen“, erklärt sie ein Prinzip, wegen der Ferien.

Dass dennoch inzwischen 14 Bände in der Reihe erschienen sind, erklärt sich aus mehreren kurzen Städtereisen, die Millie mit ihren offenbar wohlhabenden Eltern unternahm. Und immer, bevor in einem Buch über Millies Reisen berichtet wird, reist auch Dagmar Chidolue an den Ort der Handlung, um genau beschreiben zu können, was die Schülerin dort erlebt.

Ein bis zwei Millie-Reisen, wie sie diese Recherchen nennt, mache sie jedes Jahr. Das seien längere, aber auch kurze intensive. So sei sie fünf Tage in Moskau gewesen. „Meine Eltern kommen aus Moskau“, ruft ein Schüler. Eine Schülerin möchte wissen, ob Chidolue schon einmal in der Tschechei war. „Meine Mutter kommt da her“, erklärt das Mädchen. Als Chidolue von ihrem neuesten Buch „Millie in Istanbul“ berichtet, geht ein Raunen einiger Kinder durch die Turnhalle. Die Verknüpfung von Geografie mit einer unterhaltsamen Geschichte ist Teil des Erfolgs der Millie-Bücher. Und für viele Kinder ist die Geografie Teil ihrer Familienbiografie.

Den Schülern gefällt aber auch die Sprache Millies. Chidolue hat offenbar Kindern sehr genau zugehört, wie sie Wörter, die sie nicht kennen, in ihren eigenen Sprach- und Erfahrungsschatz einordnen. Da entstehen dann auch für den Erwachsenen lustige Ergebnisse. So bemerkt Millie mit Unverständnis im Wachsfigurenkabinett vor der Figur des Models Twiggy, „Miss Piggy sieht aber nicht aus wie ein Schwein, sie müsste eher Miss Klappergestell heißen.“ Der Butler wird zum „Paddler“, was auch ganz richtig ist, spätestens, nachdem er Millie, als sie sich nachts verlaufen hat, aus dem Unglück „herauspaddelt“.

Natürlich wollen die Schüler, die von der Lesung Chidolues sichtlich begeistert sind, wissen, wie sie auf die Idee kam, Bücher zu schreiben. „Das war ein trauriger Sonntag vor 43 Jahren“, erinnert sich die Autorin noch genau. Weil sie nichts besseres zu tun hatte, schließlich gab es noch nicht so viel Fernsehen und auch das meist in schwarz-weiß, habe sie begonnen, ihre Kindheitserlebnisse aufzuschreiben.

Doch die Kinderverlage wollten das Manuskript nicht, weil es ein Erwachsenenbuch sei, die Erwachsenenverlage meinten, es sei ein Kinderbuch. Solche Probleme hat Dagmar Chidolue seit langem hinter sich gelassen. 56 Bücher, darunter auch das Erstlingswerk, hat sie inzwischen veröffentlicht. Besonderen Spaß bereitet es ihr, die Kinder ihr Alter schätzen zu lassen. Dass sie keine 29 mehr ist, wissen alle Kinder. Aber die 47 Jahre, die sie als zweite Möglichkeit anbietet, trauen ihr doch einige zu. Als sie ihr richtiges Alter von 66 nennt, applaudieren die Schüler. Dass jemand in diesem Alter noch so junge Bücher schreibt, hätten sie nicht geglaubt. „Ich weiß nicht, wofür der Applaus war, antwortet Dagmar Chidolue überrascht und etwas verlegen, „vielleicht, dass ich es bis dahin geschafft habe“.


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