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Dagmar Chidolue - Presseartikel


www.kinderbuch-couch.de 05⁄2010


Buchrezension: 44 4-Minuten-Geschichten zum Vorlesen von Dagmar Chidolue

Marzipanmandelkrönchentorte, Attackenmücken, Hinknall-Schuhe und Strickliesel-Würmer ... – was soll das wohl sein? Keine Ahnung? Dann schnell diese Geschichten lesen und auf vergnügliche Weise Geheimnis für Geheimnis im 4-Minuten-Takt lüften!

Dagmar Chidolue und Gitte Spee, vielen (Vor-) Lesern bereits durch ihre „Millie-Geschichten“ bekannt, ist ein kleiner Schatz zu verdanken: eine Sammlung von 44 durchweg interessant und zumeist komisch erzählten Episoden aus dem Vorschulkinder – Alltag. Das Faszinierende daran ist nicht allein, sich gekonnt in die Perspektive dieser Altersgruppe einzufühlen, sondern diese in Wort und Bild auch noch treffend darzustellen.

Gegliedert in 4 Blöcken, mit den Hauptfiguren Pauline, Boris, sowie den Geschwisterpärchen Tom und Heiner bzw. Lea und Flo, sind die spezifischen Sichtweisen und Probleme beider Geschlechter – und obendrein sogar zwei mögliche Geschwisterkonstellationen – geschickt abgedeckt.

Für die ersten 10 Geschichten taucht der Leser in Paulines Welt ein, die z.B. mit ihrem Plüschkrokodil experimentiert (das sich letztendlich leider doch im Badewasser auflöst), einen vom Pult stürzenden Dirigenten beobachtet und in einer weiteren Episode insgeheim hofft, dass ein Pferd ihren ungeliebten Noppenschal fressen wird. Wir Erwachsenen bekommen einen Spiegel vorgehalten, als Pauline in der Bahn ganz handfest die guten Manieren eines mitreisenden Erwachsenen einfordert. – Ganz poetisch wird es, wenn das aufgeweckte Mädchen über das „bunte Wort“ Phantasie nachdenkt oder die lachenden Augen des Glitzerbär-Verkäufers wahrnimmt.

Die Tom-und-Heiner-Geschichten unterscheiden sich vom ersten Block, da hier die Protagonisten ein Geschwisterkind als Pendant oder manchmal Korrektiv zur Seite haben. Sehr realitätsnah erscheinen die Schilderungen, in denen u.a. die Küche mit Ketchup geduscht wird und sich die Kinder beim Tischgespräch über Mäusepipi im Trinkglas schief lachen. Anrührend und tiefgründiger, als auf den ersten Blick wahrnehmbar, sind Texte wie „Das schönste Gefühl“. Hier beschreibt ausgerechnet Tom, der jüngere Bruder, wie toll sich geputzte Zähne oder Kuscheln mit Mama anfühlen. Auch testet er im Selbstexperiment den Kontrast zwischen Kälte auf nackter Haut und wohliger Bettdeckenwärme aus. Gezielt aus dem Leben gegriffen ist ebenfalls die Episode, in der die beiden Brüder den gesamten (!) Inhalt eines Spielzeugkatalogs ohne Abstriche auf ihre Weihnachtswunschzettel setzen – immerhin ganze 64 Seiten! – Das ergibt reichlich Gesprächsstoff für lange Autofahrten oder kleine Familientreffen.

Von den Boris-Geschichten ist jene mit den Hinknall-Schuhen besonders witzig. Der „Krieg der Vögel“ am Futterhäuschen muß als besonders gut beobachtet unbedingt erwähnt werden. In der Lea und Flo -Abteilung schließlich trifft man auf originelle Kreationen die sowohl ausgefallene Torten zu Tante Mattes Geburtstag, als auch Mumpitz-Geschichten für den jüngeren Bruder ergeben. Phantasie und eigene Fabulierkunst werden angeregt um ähnliche Gebilde zu erzeugen. Die von der Autorin gewählte Konstellation, dass zwischen den Geschwistern ein größerer Altersunterschied besteht, eröffnet in Ergänzung der vorangegangenen Geschichten weitere Themenkreise: manches ältere Kind wird Leas Hilferuf an die Polizei verstehen. Die vielfach preisgekrönte niederländische Illustratorin Gitta Spee ergänzt die knapp aber schlüssig und pointiert verfassten Texte mit sparsamen und vielleicht gerade deshalb wirkungsvollen Zeichnungen. Diese umfassen manchmal eine ganze Doppelseite und hinterlegen somit förmlich den Text atmosphärisch; oft sind es jedoch nur gelungene Detailillustrationen, die die jeweilige Stimmung der erzählten Episode treffend aufgreifen. Pastellkreiden und markante schwarze Konturen lassen die Bebilderung fast wie von Kinderhand geschaffen erscheinen – das Einfache, das so schwer zu erreichen ist.

Fazit:

Ob Friseurbesuch, Marathon-Flug oder Arztwartezimmer – Gelegenheiten zum Vorlesen gibt es zuhauf, die vorliegende Sammlung garantiert dabei Spaß, Tiefgang und Anregungen zum Gespräch über die handelnden Kinder. Auch jüngeren Zuhörern ab 3 Jahren erschließen sich die Alltagsthemen mühelos, denn sie finden ihre Kinderwelt darin verblüffend gut abgebildet.

Silvia Ströhmann


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