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Dagmar Chidolue - Presseartikel


Schwäbische Zeitung 23.10.2003


Ein Genuss - auch wenn "Millie" Meckenbeuren fern bleibt

MECKENBEUREN - Ein langgezogenes wie enttäuschtes "oooooh" ertönte gestern aus vielen Kindermündern, als Dagmar Chidolue in der Gemeindebücherei ihre Lesung beendete. Rund 50 Drittklässler aus Kehlen hatten sich von ihr und "Millies" Reisen in die weite Welt für fast 90 Minuten fesseln lassen.

Von unserem Redakteur Roland Weiß

"So etwas kann ich mir nicht ausdenken, das muss ich mir aufschreiben" - nicht wenige Begebenheiten aus ihren 42 Kinder- und Jugendbüchern erklärt Dagmar Chidolue mit selbst Erlebtem - "weil ich nur die Wahrheit schreibe." Etwa dass eine dicke Frau in der Wendeltreppe hinauf zur Freiheitsstatue in New York stecken geblieben sei und rückwärts hinunter gehen musste.

Nicht nur solche Episoden, die sich in den Büchern der reisefreudigen Millie und ihrer Familie nieder schlagen, sind es, die blitzschnell das Eis zwischen Kindern und Autorin schmelzen lassen. Hemmschwellen gibt es beidseits nicht, eher schon überwältigend viele nach oben fliegende Hände, so dass die 59-Jährige die Fragerunde aufs Ende der Lesung schiebt. Geht es doch zuerst mit "Millie" nach New York, wo im Gespräch mit den Kindern der 11. September 2001 nicht ausgeklammert wird: Keine weltanschaulichen Antworten gibt es von Dagmar Chidolue, sondern die authentische Schilderung ihres Schreckens als jemand, der bei den Recherchen zum "Millie"-Buch erst kurze Zeit vorher das World Trade Center besucht hatte.

Alltägliches wie Nachvollziehbares machen die Geschichten aus; freilich von der feinen Beobachterin mit einem besonderen Pfiff versehen, der ein Abgleiten in die Banalität verhindert. Anschaulich und augenzwinkernd geschrieben schlägt "Millie" denn auch in Meckenbeuren nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene in ihren Bann.

Nur eine Hoffnung muss Dagmar Chidolue enttäuschen: Wird ihr nächstes Buch wohl "Millie und die Jungs" heißen und zu Hause spielen, so ist mit "Millie in Meckenbeuren" nicht zu rechnen. Ihre Reisen müssten Millie schon in ein Land, an einen Ort führen, den viele Leute kennen, beschied die Westfalin mit dem westafrikanischen Namen. Ihrerseits wird sie die gestrige Lesung in guter Erinnerung behalten: Als "sehr interessiert" hat sie die Zuhörerschar, als "wunderbar" den Vormittag empfunden. Ein Kompliment, das es zu erwidern gilt...

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© Schwäbische Zeitung