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Dagmar Chidolue - Presseartikel


Wiesbadener Kurier 18.11.2004

"Eigentlich ein fauler Hund"

Kinderbuchautorin Dagmar Chidolue plauderte in Wallau aus dem Nähkästchen

WALLAU Beim Wettbewerb der Stiftung Lesen hatten die jetzigen vierten Klassen der Wallauer Taunusblickschule im vergangenen Jahr als bundesweit Neuntbeste in der Sparte "3. und 4. Klassen" abgeschnitten - und damit den Besuch Dagmar Chidolues gewonnen.

Von Kurier-Mitarbeiterin Christine Dressler

Die Begeisterung, mit der sich die Kinder Bücher signieren ließen, Chidolue befragten und ihr von sich erzählten, zeigte: Die mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnete 60-jährige Usingerin zählt zu Recht zu den bekanntesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren. Viele Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klassen der Wallauer Taunusblickschule kannten gleich mehrere ihrer 43 Bücher, die seit dem Erstlingswerk "Das Maisfeld" (1976) erschienen sind.

So wenig wie Chidolue im Main-Taunus-Kreis eine Unbekannte ist - Mitte 2003 leitete sie den ersten Schreibworkshop für Jugendliche im Kreishaus -, ist ihr selbst die Region fremd. Usingen sei ja nicht weit entfernt, sagt Chidolue, und bis März 2003 arbeitete sie zudem in Frankfurt rund drei Jahrzehnte lang bei einem Bankenverband. Sie komme oft in den Main-Taunus, nicht nur zu Lesungen, sondern auch privat. Auch in Wallau sei sie schon ab und zu gewesen, "aber nur", verriet Chidolue mit beschämtem Lächeln, "bei Ikea."

Im ostpreußischen Sensburg geboren, wuchs sie in Gütersloh auf. Zur Wirtschaftsprüferin ausgebildet holte sie das Abitur nach und studierte Jura und Politik, bevor sie bei der Bank anfing. Dass sie seit 37 Jahren und bis vor kurzem neben ihrem Beruf fast jedes Jahr ein und mitunter bis zu drei Bücher schrieb, faszinierte die Kinder. Mit den Viertklässlern konzentrierte sich Chidolue auf "Zuckerbrot und Maggiesuppe" von 2002 mit dem gerade erschienen Folgeband "Liebe ist das Paradies". So wie sie in die Figur des Mädchens Jutta in der Nachkriegszeit viel Autobiografisches aus ihrer eigenen Kindheit und Jugend einfließen ließ, sind auch Millies Reisen mit ihren Eltern um die Welt mit eigenen, auf das Mädchen übertragenen, Erlebnissen gespickt.

Ein, zwei Monate schreibe sie an einem Band, aber die Vorbereitung könne schon mal zwei Jahre dauern, sagt die Autorin. "Denn erst mal muss ich mir ja selbst alles angucken", erklärte Chidolue den Kindern und erzählte, dass sie zum Beispiel wie "Millie in New York" auf die Freiheitsstaue gestiegen und das Steckenbleiben der dicken Frau auf der Wendeltreppe beobachtet hatte. Sie überlege sich dann einfach, wie Millie so etwa empfinden würde. Durch die witzigen, aber typischen kindlichen Gedanken, Nöte und Szenen Millies in den Urlauben mit den Eltern etwa auf Kreta und Mallorca, drifteten die Wallauer Kinder zu verschiedensten Themen ab. Zum Beispiel: Was gibt es für Methoden, von Eltern Wünsche erfüllte zu bekommen; Was passiert, wenn man zu viel Wein trinkt; Was geschah am 11. September? Chidolue diskutierte mit ihnen aber auch über Geschwister, Wasserbombenbasteln und Geografie.

"Millie in Berlin" liegt jetzt fertig auf ihrem Schreibtisch. Jetzt schreibe sie an "Millie und die Jungs". Da bleibe das Mädchen, das 1991 in Paris startete und seitdem mit viel Sprachwitz die Welt erkundete, erstmals zu Hause. Und dann gesteht Chidolue noch, dass sie sich immer einen festen Termin setze, um ein neues Buch zu beginnen. "Denn eigentlich bin ich ein fauler Hund."

 

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